Eine unsichtbare oder versteckte Malokklusion ist ein Okklusions-Zustand, der auf den ersten Blick völlig normal zu sein scheint, in Wirklichkeit aber Ursache einer fortwährenden unbemerkten Muskel- verspannung sein kann. Derartige Verspannungen können diffuse Schmerzen, Unbehagen, und schließlich Kiefergelenksprobleme bewirken.
Jeder Vorkontakt kann starke Kräfte genau auf einen Punkt konzentrieren. Solche fortwährend wirkenden Kräfte können das Wurzelgewebe nachhaltig schädigen und sogar Frakturen an Zähnen hervorrufen. Um derartige Belastungen auszugleichen, schieben die Muskeln unbewußt und automatisch den Unterkiefer in eine Lage, die mehr okklusale Kontakte aufweist und somit den Kaudruck gleich- mäßiger verteilt. (Abb.19)
Diese scheinbar bessere, jedoch grundsätzlich unphysiologische okklusale Lage bringt zunächst einmal Vorteile für die Zähne, jedoch große Nachteile für die Kaumuskulatur und Kiefergelenke, die fortwährend stärker als erforderlich beansprucht werden.
Während einige Muskeln, wie etwa der musculus masseter, kräftig genug sind, die Mehrbelastung zu kompensieren, sind andere Muskeln, die die Vor- und Rückwärtsbewegung oder die Seitwärtsbewegung des Unterkiefers bewirken, wesentlich schwächer. Diese Muskeln reagieren in Folge dauernder Überbeanspruchung völlig unkoordiniert, rufen damit Schmerzen und Verkrampfungen an Kopf, Nacken und Schulter hervor und schließlich das CMD- Syndrom.
Die eigentliche Ursache dieser Schmerzen bleibt unentdeckt bzw. “unsichtbar”, da der Unterkiefer jedesmal die scheinbar bestmögliche okklusale Lage ( habituelle Okklusion) einnimmt. Es ist sehr schwer, in dieser anscheinend optimalen Lage die auslösende Fehlokklusion zu diagnostizieren und zu korrigieren.
Jeder Patient, der an Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks, des Kopfes, des Nackens, der Schulter und des oberen Rückens leidet, sollte auf eine unsichtbare Fehlokklusion hin untersucht werden. Der Aqualizer ist zur Aufdeckung dieser schwierig zu lokalisierenden Frühkontakte ein ideales Hilfsmittel. Zur Bestimmung der korrekten okklusalen Verhältnisse werden zwei Methoden empfohlen, die einzeln oder auch kombiniert eingesetzt werden können. Nach einer 15-30 min. Tragedauer des Aqualizers, sollte der Patient genügend entspannt sein, um seine alte habituelle Okklusion aufzugeben und seinen Unterkiefer in eine neue physiolgisch günstigere Bißlage zu positionieren. Der Aqualizer wird herausgenommen und im Anschluß sofort die Okklusion mit Artikulationspapier oder Okklusionsfolie geprüft.
Bei Patienten die bereits starke Abrasionen aufweisen ist es sinnvoller ein DROS-Zentrik-Registrat in der neuen Bißlage zu nehmen, um anschließend die korrekte Bißlage im Artikulator wieder herzustellen und eine entsprechende Versorgung mit Kronen, Brücken und Veneers zu gewährleisten.