Lockere Zähne, was kann ich tun? Ursache und Behandlung

03. November 2021
Pressemeldung

Lockere Zähne, was kann ich tun? Ursache und Behandlung


Ursache und Behandlung von lockeren Zähnen

Während ein wackelnder Milchzahn bei Kindern ein eher gutes Zeichen für die gesunde Entwicklung des Gebisses ist, sind lockere Zähne bei Erwachsenen ein Alarmsignal. Die Gefahr, den gelockerten Zahn innerhalb kurzer Zeit zu verlieren, ist groß. Deshalb ist schnelle Hilfe durch einen erfahrenen Zahnarzt oder Fachzahnarzt nötig, um Zahnverlust zu vermeiden. Sobald Patientinnen und Patienten einen lockeren Zahn bemerken, sollten sie sich zeitnah an eine Zahnarztpraxis wenden und einen dringenden Termin vereinbaren.

Welche Ursache für die Zahnlockerung vorliegt, wird der Behandler bei der umfassenden Diagnose feststellen und eine darauf ausgerichtete Therapie vorschlagen.

Die häufigste Ursache für lockere Zähne ist Parodontitis bzw. Parodontose. Diese weit verbreitete Zahnbetterkrankung ist ab dem 40. Lebensjahr meist verantwortlich für Zahnverlust. Darüber hinaus gibt es weitere Auslöser für Zahnlockerungen. Dazu zählen unter anderem Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen und Zähnepressen), Unfalltrauma und Gewalteinwirkung, Abszesse, schlechtsitzender Zahnersatz, nicht versorgte Zahnlücken, kieferchirurgische Eingriffe (z. B. Wurzelspitzenresektion), Krebserkrankungen und Osteoporose bzw. Kieferknochennekrose. Darüber hinaus spielt eine gesunde Lebensweise ebenfalls eine Rolle, denn z. B. Mangelernährung und Rauchen haben Einfluss auf Zahnerkrankungen bzw. die Mundgesundheit im Allgemeinen.

Lockere Zähne, was kann ich tun? Ursache und Behandlung von lockeren Zähnen.
Lockere Zähne, was kann ich tun? Ursache und Behandlung von lockeren Zähnen.
Bildquelle: ©GZFA
 

Lockere Zähne aufgrund von Parodontitis/Parodontose

Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnfleisches, die chronisch oder schleichend verlaufen kann. Die Zahnbetterkrankung ist meist auf unzureichende Mundhygiene zurückzuführen. Erste Anzeichen sind Zahnfleischbluten, Rötungen und Schwellungen. Unbehandelt breitet sich die Infektion aus und ist verantwortlich für einen Zahnfleischrückgang, so dass die empfindlichen Zahnhälse freiliegen. Gleichzeitig bilden sich bei einem schweren Krankheitsverlauf tiefe Zahnfleischtaschen, in welchen sich die Bakterien vermehren und sich weit unter den Zahnfleischrand ausbreiten, so dass der Kieferknochen angegriffen wird. So können Zähne ihren natürlichen Halt verlieren und beginnen, sich zu lockern.

Das oberste Ziel einer Parodontitisbehandlung ist der Zahnerhalt. Hierfür muss zunächst die Zahnfleischentzündung gestoppt und geheilt werden. Bei leichter Parodontose reicht es meist aus, eine Professionelle Zahnreinigung durchzuführen und die häusliche Zahnhygiene zu optimieren. Eventuell wird der Zahnarzt oder die Zahnärztin noch ein entzündungshemmendes Gel einbringen.

Bei einer schweren Parodontose von über 3,5 Millimetern Taschentiefe ist die geschlossene Parodontosebehandlung die häufigste Therapie. Unter Lokalanästhesie entfernt der Behandler mit sehr feinen Instrumenten oder mit Laser alle bakteriellen Zahnbeläge bis zu den Wurzeln, die abschließend geglättet werden. Sofern keine Besserung eintritt, erfolgt die offene Parodotosebehandlung. Hierfür muss das Zahnfleisch chirurgisch geöffnet werden, damit die Zähne bis zur Wurzel gereinigt werden können. Abschließend wird das Zahnfleisch vernäht. Unterstützend kann ein Antibiotikum verabreicht werden.

Um vor Zahnverlust zu schützen, sollte jede Veränderung am Zahnfleisch unbedingt vom Zahnarzt kontrolliert werden. Die vollständigen Heilungschancen sind umso größer, je früher die Zahnbetterkrankung erkannt und behandelt wird.
 

Zahnlockerung durch Bruxismus

Beim nächtlichen Zähneknirschen und Zähnepressen entsteht im Schlaf ein unnatürlich hoher Kaudruck, der den gesamten Zahnhalteapparat mit allen Fasern und Geweben und die Kiefergelenke stark beansprucht. Das Gebiss leidet unter dieser Überbeanspruchung. Bruxismus kann nicht nur eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) mit diversen Symptomen (u. a. Tinnitus, Migräne, Rücken-, Nacken und Schulterschmerzen, Schwindel etc.) verursachen, sondern auch zu Frakturen und zu Zahnlockerungen führen.

Empfehlenswert ist eine manuelle und instrumentelle Funktionsanalyse (FAL) bei einem Funktionsdiagnostiker oder einem auf CMD spezialisierten Zahnarzt. Zur Behandlung von Bruxismus und CMD hat sich das diagnostisch-ursächliche DROS® Therapiekonzept mit einer Oberkiefer-Aufbissschiene vielfach bewährt. Dabei handelt es sich um individuelle Schienen, die ausschließlich von zertifizierten Zahnärzten und Zahntechnikern angefertigt werden. Die Schienen werden für ca. 7 Wochen nachts getragen. Je nach Diagnose kann sich eine weitere zahnärztliche oder fachzahnärztliche Behandlung anschließen. Da Bruxismus häufig stressbedingt ist, sind alle begleitenden Maßnahmen zum Stressabbau sinnvoll. Dazu gehören z. B. Yoga, Sport, Massagen, Meditation, Autogenes Training, Hypnose etc.

Lockere Zähne: Zahnlockerung durch Bruxismus, was kann ich tun?
Lockere Zähne: Zahnlockerung durch Bruxismus, was kann ich tun?
Bildquelle: ©GZFA
 

Zahnlockerung durch plötzliche Gewalteinwirkung

Durch eine äußere Gewalteinwirkung kann ein Zahn instabil werden und sich lockern, sei es durch einen Unfall beim Sport, im Haushalt oder im Straßenverkehr oder womöglich bei einer körperlichen Auseinandersetzung. Selbst wenn der Zahn nicht verletzt scheint, so können Fasern, die ihn im Kieferknochen verankern, überdehnt sein.

Sofern ein Zahn nach einem Unfall oder Schlag wackelt, sollte man auf jeden Fall kurzfristig einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin aufsuchen. Anhand von Röntgenbildern wird geklärt, ob möglicherweise eine Fraktur der Zahnwurzel oder Risse vorliegen, die nicht unbedingt schmerzhaft sind. 

Ein durch Gewalteinwirkung gelockerter Zahn wird normalerweise mit einer Zahnschiene ruhiggestellt. Das bedeutet: Der Behandler verbindet den lockeren Zahn provisorisch mit einer Kunststoffmasse oder mit Drähten mit den Nachbarzähnen, so dass der lockere Zahn befestigt wird. Nach etwa zwei Wochen kann das Provisorium wieder entfernt werden, wobei ein Vitalitätstest durchgeführt wird, der normalerweise nach ca. 6 Wochen wiederholt wird. 
 

Zahnlockerung nach einem kieferchirurgischen Eingriff

Bis zu einem gewissen Grad ist es normal, wenn sich nach einer Zahnextraktion ein Nachbarzahn etwas lockert. Die Zahnlücke sollte nach Möglichkeit zeitnah mit Zahnersatz versorgt werden, wofür es mehrere Möglichkeiten gibt, über die der Behandler berät. Eine Möglichkeit ist ein Zahnimplantat, das im Kiefer verankert wird und einheilt. Es sorgt nicht nur für die Ästhetik, sondern ersetzt einen natürlichen Zahn komplett in seiner Funktion. Das hat den Vorteil, dass der Kieferknochen nach der Einheilphase durch den Kaudruck belastet wird, was einem Kieferknochenabbau entgegenwirkt. Damit gibt der Kiefer festen Halt für Zähne und eventuelle Nachbarzähne.

Nach einem endodontischen Eingriff, bei dem die Wurzelspitze entfernt wurde, auch Wurzelspitzenresektion genannt, kann sich der behandelte Zahn lockern. Es fehlt ein Stück der Wurzel und damit ein Teil der Verankerung des Zahns im Kieferknochen. Beim Heilungsprozess verfestigt sich der Zahn normalerweise wieder im Kiefer. Sollte dies nicht der Fall sein, so ist ein Kontrolltermin in der Zahnarzt- oder Fachzahnarztpraxis ratsam.
 

Abszesse im Kiefer

Ein lockerer Zahn, verbunden mit Schmerzen, Schwellungen, evtl. Fieber und Problemen beim Öffnen des Mundes kann ein Hinweis auf einen Abszess sein, der sich aufgrund einer starken Entzündung im Kieferknochen entwickelt.

Hier ist dringender Handlungsbedarf. Betroffene sollten sich sofort in zahn- oder fachzahnärztliche Behandlung begeben, um den Abszess entfernen zu lassen und die Entzündung einzudämmen. Ein schwerer Verlauf eines eitrigen Abszesses im Kiefer kann negativen Einfluss auf die Allgemeingesundheit haben, denn die Bakterien können über die Blutbahnen überall hingelangen. Ein Kieferabszess sollte unbedingt behandelt werden.
 

Schlechtsitzender Zahnersatz

Eine wackelige Prothese, die an einem Zahn befestigt ist, kann diesen „Verankerungszahn“ in Mitleidenschaft ziehen und eine Zahnlockerung verursachen. Schnelle Abhilfe kann der Zahnarzt mit einer Optimierung oder Reparatur des Zahnersatzes erreichen.

Patienten und Patientinnen, die mit ihren herausnehmbaren Teil- oder Vollprothesen sehr unzufrieden sind, können sich über Zahnimplantate oder Implantatkonzepte wie z. B. das All-on-4® Behandlungskonzept informieren und abwägen, ob diese Alternative als ästhetisch und funktionell hochwertige Lösung in Frage kommt.
 

Kiefernekrose

Bei einer Knochennekrose handelt es sich um eine Erkrankung, in dessen Verlauf Teile eines Knochens oder der gesamte Knochen abstirbt. Davon können auch Ober- und Unterkiefer betroffen sein.

Leider kann bei Krebserkrankten eine Kiefernekrose durch eine Bestrahlung im Kieferbereich ausgelöst werden. Außerdem kann es bei der Anwendung von u. a. Bisphosphonaten und zugelassenen Antikörpern, die bei der Therapie von Knochenmetastasen (z. B. als Folge von Brust- oder Prostatakarzinomen) eingesetzt werden, zu einer Kieferknochennekrose als unerwünschte Nebenwirkung einer Langzeittherapie kommen.

Diese Wirkstoffe werden ebenfalls in der Osteoporose-Behandlung verwendet. Osteoporose, eine Knochenstoffwechselstörung, gehört zu den häufigsten Knochenkrankheiten im fortgeschrittenen Lebensalter, wovon Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Scheinbar grundlose Zahnlockerungen können auf eine Kiefernekrose hinweisen. Weitere Symptome sind Schwellungen, Schmerzen, Eiteraustritt, Beschwerden beim Kauen, Blockaden bei der Mundöffnung, Problem beim Artikulieren und Gefühllosigkeit oder Taubheitsgefühl in der Unterlippe. Wichtigster Hinweis jedoch ist ein nicht von Schleimhaut bedeckter Kieferknochen.

Im Anfangsstadium ist Knochennekrose im Kiefer meist durch eine Behandlung mit einem Antibiotikum zu stoppen. Im fortgeschrittenen Stadium werden die abgestorbenen Gewebeteile chirurgisch vom Mund-, Kiefer,-Gesichtschirurgen entfernt, um danach den Knochen wieder mit Schleimhaut zu bedecken und den Knochen zu sanieren. Hierfür werden Knochenersatzmaterialien oder Eigenknochenspenden verwendet.

Bei Osteoporose- und Krebspatienten ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Zahn- bzw. Fachzahnärzten und Hausärzten bzw. Fachärzten wie z. B. Orthopäden, Onkologen und Schmerztherapeuten unbedingt erforderlich.
 

Weitere Tipps:

Im Anfangsstadium lassen sich die meisten Zahnerkrankungen gut eindämmen, stoppen oder vollständig heilen. Deshalb sollten Veränderung im Mundraum wie Zahnlockerungen, Zahnfleischbluten oder Probleme beim Mundöffnen beachtet werden und Anlass sein, zeitnah einen Kontrolltermin beim Zahnarzt oder bei der Zahnärztin zu vereinbaren. Dies gilt umso mehr, wenn allgemeingesundheitliche Vorerkrankungen wie z. B. Diabetes, Krebs oder Autoimmunerkrankungen vorliegen.


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