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Bruxismus – Zähneknirschen und Kieferpressen

Unbewusste Kaumuskelaktivität

Unter Bruxismus versteht man die unbewusste Kaumuskelaktivität in Form von Zähneknirschen und Kieferpressen.

Geschätzt ein Drittel der Bevölkerung zeigt Bruxismus, wobei deutlich mehr Frauen als Männer betroffen sind.

Bruxismus tritt in zwei Formen auf, als Schlaf- und als Wachbruxismus.

Abrasionsgebiss – schwere Schädigungen der Zähne durch Bruxismus
Abrasionsgebiss – schwere Schädigungen der Zähne durch Bruxismus

Schlafbruxismus – Knirschen in der Nacht

Bei dieser Form knirschen und pressen die Betroffenen ihre Zähne und Kiefer unbewusst während des Schlafens aufeinander; dies erfolgt mit bis zu 800N Kraft im Kauzentrum und Phasen von bis zu 20 Minuten Dauer. Psychische Belastungen und Spannungen werden so abreagiert. 

Wachbruxismus – Knirschen am Tag

Zähneknirschen kann aber auch tagsüber stattfinden. Betroffene stehen unter so enormer Anspannung, dass sie sogar hellwach, jedoch auch meist unbewusst Zähne und Kiefer aufeinanderpressen.

Stress und Fehlbiss sind die Ursachen

Bruxismus bzw. Zähneknirschen stellt entwicklungsgeschichtlich eine physiologische Funktion zum Abbau von Stress dar. Auch bei Kindern hat Zähneknirschen der Milchzähne eine natürliche Funktion für die Positionierung der bleibenden Zähne.

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft stehen viele Menschen jedoch unter Dauerstress und dauernder Anspannung. Sprachbilder wie „sich in eine Sache verbeißen“, „sich festbeißen“ oder „die Zähne zusammenbeißen“ bei psychischen oder körperlichen Verletzungen, zeigen welche Rolle die Zähne in unserer Gefühlwelt spielen.

Neben Stress kann auch ein Fehlbiss Ursache für Bruxismus sein. Die Zähne von Ober- und Unterkiefer finden keinen gleichmäßigen und gleichzeitigen Kontakt, sondern es kommt an manchen Stellen zu Frühkontakten, also zum vorzeitigen Aufeinandertreffen der Zähne. 

Dafür häufig verantwortlich sind zu hohe Kronen, Füllungen oder Brücken, nicht versorgte Zahnlücken, schlecht sitzende Prothesen, mangelhafte Zahnimplantate oder kieferorthopädische Fehlregulierungen.

In diesen Fällen kann Bruxismus negative Auswirkungen sowohl auf das Gebiss als auch auf die Gesundheit des ganzen Körpers haben. 

Auswirkungen auf den Zahnhalteapparat, die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk

Durch das Pressen und Knirschen wird der Zahnhalteapparat überlastet, das Zahnfleisch zieht sich zurück. Eine daraus resultierende Zahnfleischentzündung/Gingivitis kann sich zu einer Parodontitis ausweiten, mit der Folge von sich lockernden oder brechenden Zähnen bis hin zum totalen Zahnverlust.

Zudem versucht die beteiligte Kopf-Gesichts- und Kaumuskulatur den Fehlbiss auszugleichen und verspannt sich. Dies verstärkt wiederum den Bruxismus, die Zähne werden weiter abgeknirscht, die Fehlkontakte verstärken sich. Es entsteht ein Abrasionsgebiss mit schweren Schädigungen der Zähne.

Durch die Fehlfunktion der Zähne werden auch die Gelenkköpfe des Kiefergelenks belastet, sie nehmen eine unphysiologische Position ein, mit Kompression des Kiefergelenks. Daraus resultieren unterschiedliche Beschwerdesymptome einer sich manifestierenden Craniomandibulären Dysfunktion CMD, einer Funktionsstörung im Kausystem.

Auswirkungen auf die Gesundheit des ganzen Körpers

Oben genannte Prozesse können verantwortlich sein für die Entwicklung von Muskel- und Gelenkschmerzen in unterschiedlichen Körperregionen und haben somit Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit.

So sind Wechselbeziehungen zwischen Kaufunktionsstörungen und neuromuskulärer Symptomatik wissenschaftlich belegt. Zu den häufig auftretenden CMD-Symptomen gehören Kopf- und Gesichtsschmerzen, Nacken- Schulter und Rückenschmerzen, Migräne und Tinnitus. 

Woran man Bruxismus erkennen kann

Von Schlafbruxismus betroffene Menschen klagen häufig über massive Schlafstörungen und Schmerzen an Zähnen, Kiefergelenken und Gesichtsmuskulatur nach dem Aufwachen. Auch wird von verspanntem Nacken, Kopfschmerzen und Tinnitus berichtet. 

Die Untersuchung durch den Zahnarzt ergibt eine erhöhte Druckempfindlichkeit von Kaumuskulatur und Kiefergelenken, Kiefergelenkgeräusche oder empfindliches Zahnfleisch.

Die Zähne, besonders in der Front sind deutlich kürzer, wirken wie abgeschliffen, die Eckzähne haben keine Spitzen mehr. Das Zahnfleisch hat sich zurückgebildet, der Zahnschmelz hat Risse. Ein Abrasionsgebiss liegt vor.

Therapieansätze

Bruxismus sollte in den Fällen behandelt werden, in denen der Patient unter eindeutigen CMD-Symptomen leidet oder bereits Schädigungen an Zähnen oder Zahnhalteapparat aufgetreten sind.

Stressabbau und Muskelentspannung kann durch Entspannungstechniken und Physiotherapie erfolgen, hilfreich ist oft auch eine Verhaltens- oder Psychotherapie.

Gegen das Knirschen und Pressen der Zähne setzt der Zahnarzt Aufbissschienen ein. Sie sollen eine weitere Schädigung von Zähnen und Zahnhalteapparat verhindern und gleichzeitig Kaumuskulatur und Kiefergelenke entlasten. 

Um den Fehlbiss  langfristig zu korrigieren, können nur adjustierte Aufbissschienen helfen, die auch die Vorgehensweise für eine weitere Versorgung, wie beispielsweise den Wiederaufbau von abgeknirschter Zahnsubstanz, aufzeigen.

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