Zahnschmerzen: Ursachen und Behandlung

Welche Ursachen haben Zahnschmerzen? Wie werden sie behandelt?

Wie entstehen Zahnschmerzen?

Wenn man ohne Beeinträchtigung richtig herzhaft zubeißen kann, dann sind die Zähne und der gesamte Kauapparat gesund. Da die Zähne normalerweise durch das Zahnbein (Dentin) und den harten Zahnschmelz geschützt sind, werden die äußeren Einflüsse wie z. B. Wärme oder Kälte oder saure Nahrungsmittel vom empfindlichen Inneren des Zahns ferngehalten. Es fühlt sich so an, als seien die Zähne fast leblos. Das ist jedoch ein Trugschluss: Die Zähne sind von feinsten Nervenfasern und Blutgefäßen durchzogen und werden von innen heraus versorgt. Dort sind sie sehr empfindsam. Wenn dann Zahnschmerzen entstehen, ist jeder froh, möglichst schnell behandelt zu werden. Als Schmerzpatient erhält man normalerweise einen sehr kurzfristigen Untersuchungstermin in einer Zahnschmerz-Praxis und wird bevorzugt behandelt.

Wie jedes Organ, kann auch der gesamte Zahnhalteapparat erkranken, manchmal sogar ohne Kenntnis des Patienten. Ist die Schutzschicht bereits porös oder besteht schon eine Erkrankung, dann ist das Risiko für Zahnschmerzen erhöht, weil die empfindlichen Bereiche des Zahnhalteapparates ungeschützt sind und äußeren Einflüssen ausgesetzt werden können.
 

Wie zeigen sich Zahnschmerzen?

Wie jede andere Art starker Schmerzen beeinträchtigen auch Zahnschmerzen einen Menschen sehr und sind äußerst belastend. Sie zählen zu den unangenehmsten Schmerzen überhaupt und können sehr heftig auftreten. Sie werden von Patienten als intensiv, extrem, blitzartig, scharf, bohrend, pochend, klopfend, stechend, pulsierend oder pulssynchron beschrieben. Zahnschmerzen sind quälend und können über Monate hinweg anhalten, nur beim Kauen auftreten und auch gleich wieder verschwinden. Die Bandbreite ist vielfältig und individuell.
 

Wenn die Backe anschwillt

Betroffene Patienten berichten von dauerhaften, blitzartigen oder nächtlichen Zahnschmerzen oder sogar von einem wandernden Schmerz von einer Mundseite zur anderen und suchen dringend Hilfe bei Zahnschmerzen. Die Arbeit des Zahnarztes wird erschwert, wenn der Schmerz ausstrahlt und vom Patienten zunächst nicht genau lokalisiert werden kann oder beim Zahnarztbesuch bereits wieder verschwunden ist. Manchmal treten die Zahnschmerzen zusammen mit einer heißen, dicken und geschwollenen Backe auf, wobei der Mund kaum noch geöffnet werden kann. Auch Fieber kann als Begleiterscheinung vorkommen. Im Volksmund spricht man auch von der „dicken Backe“.
 

Vielfältige Ursachen für Zahnschmerzen

Die Ursachen für Zahnschmerzen sind sehr vielfältig und liegen nicht immer direkt in der Mundhöhle oder im Rachenraum. Die Schmerzen können auf sehr ernst zu nehmende Allgemeinerkrankungen aufmerksam machen und sollten bei Bedarf auch interdisziplinär mit Hausarzt oder Fachärzten abgeklärt werden. Die erste SOS-Maßnahme sollte jedoch ein sofortiger Termin bei einem Experten für Zahnschmerzbehandlung sein. Einstweilen können auch bewährte Hausmittel helfen, den Schmerz zu lindern. Der Zahnarzt kann dann abklären, ob die Zahnschmerzen von den Zähnen kommen oder möglicherweise auf andere Ursachen deuten lassen und damit nicht direkt von den Zähnen kommen.

Zahnschmerzen können vielfältige Ursachen haben und sollten schnell behandelt werden.
Zahnschmerzen können vielfältige Ursachen haben und sollten schnell behandelt werden.
Bildquelle: Fotolia 29893190©Doris Heinrichs

 

Die häufigsten Ursachen für Zahnschmerzen, die von den Zähnen kommen

Karies: Bei unzureichender Mundhygiene oder falscher Ernährung (hauptsächlich Süßwaren und zuckerhaltige Softdrinks) bilden Bakterien einen Biofilm auf den Zahnoberflächen oder zwischen den Zähnen, wo die Zahnbürste schlecht hinkommt. Von Karies oder Zahnfäule spricht man, wenn Kariesbakterien durch die Umwandlung von Zucker aggressive Säuren bilden, die den Zahnschmelz angreifen und Löcher hineinfressen. Durch diese Löcher in den Zähnen können die Bakterien, Speisereste oder andere Reizstoffe ungehindert bis ins Zahnmark vordringen und zum Teil extreme Zahnschmerzen auslösen.

Behandlung

Zur Kariesbehandlung muss zunächst der Zahn gründlich gereinigt und geöffnet werden, um alle bereits geschädigten Bereiche zu entfernen. Je nach Umfang der Schädigung wird eine Zahnfüllung oder ein größeres Inlay oder Onlay eingesetzt, um den Zahn wieder dauerhaft zu schließen.

Gründliche Mundhygiene und die Vermeidung von zuckerhaltigen Lebensmitteln dienen der Vorbeugung gegen Karies und dadurch ausgelösten Zahnschmerzen.
 

Parodontitis und Gingivitis: Auch bei der Volkskrankheit Parodontitis sind überhand nehmende Bakterien, auch Plaque oder Biofilm genannt, die Auslöser der Erkrankung des Zahnhalteapparates, die mit einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) beginnt. Die Entzündung macht sich durch Schwellungen, Rötungen und Zahnfleischbluten bemerkbar, ist aber im Anfangsstadium meist noch nicht schmerzhaft. Deshalb wird Parodontose oft als harmlos eingestuft. Wird die Parodontitis jedoch nicht behandelt, so kommt es zu einem Zahnfleischrückgang, im schlimmsten Fall zu Zahnverlusten. Zahnschmerzen entstehen, weil die empfindlichen Zahnhälse freiliegen und auf äußere Einflüsse reagieren. Beim Kontakt mit kalten oder heißen Speisen und beim Zähneputzen können den Patienten blitzartige Schmerzen durchzucken. Auch können durch die Entzündung selbst dumpfe und schlecht lokalisierbare Schmerzen auftreten.

Behandlung

Neben gründlicher häuslicher Mund- und Zungenhygiene gehört die regelmäßige professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt zur wichtigsten Prophylaxe und Therapie gegen Parodontose und dadurch ausgelöste Zahnschmerzen. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, kann sich die Behandlung über einen längeren Zeitraum hinziehen, da evtl. Knochen im Kiefer wieder aufgebaut werden muss.
 

Zahnnerventzündung (Pulpitis): Durch unbehandelte Karies, eine Verletzung des Kieferknochens (z. B. ein Unfall oder eine Sportverletzung) oder nach einer erfolglosen Wurzelkanalbehandlung können Bakterien ins Zahninnere vordringen. Diese greifen den Zahnnerv an und schädigen ihn. Die daraus entstehende Schwellung des Zahnmarks erhöht den Druck im Inneren, was von dauerhaften und pulsierenden Zahnschmerzen begleitet wird. Selbst wenn der Nerv abstirbt, können die Schmerzen fortbestehen, weil sich die Entzündung über die Wurzelspitze zum Kieferknochen ausbreitet.

Behandlung

Da extreme Zahnschmerzen und massive Schädigungen von Zähnen und Kiefer auftreten können, ist schnelles Handeln dringend ratsam. Die Spezialisten in einer Zahnschmerz-Praxis werden alles tun, um den Zahn zu retten. Um eine Extraktion zu verhindern, wird eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. Die Wurzelkanäle werden hierbei freigelegt, um alle entzündeten Bereiche komplett zu entfernen. Anschließend wird der Wurzelkanal gründlich gereinigt, präpariert, mit einer Füllung versehen und abgedichtet. 
 

Zahnfraktur: Unfälle im Straßenverkehr, im Haushalt, beim Sport und bei der Arbeit können Zahnfrakturen zur Folge haben, auch beim Spielen sind Kinder gefährdet. Manchmal reicht es, nur auf etwas Hartes - wie den vielzitierten Kirschkern - zu beißen, damit ein Zahn bricht oder Teile davon absplittern.

Behandlung

Nicht immer kann der beschädigte Zahn durch Inlays, Onlays oder Kronen gerettet werden. Manchmal ist die Verletzung so schwerwiegend, dass er entfernt werden muss. Ein Zahnimplantat ist eine Möglichkeit, um den Zahn zu ersetzen und das ästhetisch-natürliche Aussehen wiederherzustellen.
 

Zahndurchbruch: Bei Kleinkindern brechen die Milchzähne und bei Erwachsenen die Weisheitszähne durch, was mit Zahnschmerzen verbunden sein kann. Wenn im Erwachsenenalter der Kiefer zu schmal für die zusätzlichen Zähne ist, kann es den bis dahin gut sitzenden Zahnstand verschieben und schmerzende Zahnfehlstellungen hervorrufen.

Behandlung

Damit dies nicht passiert, ist rechtzeitig abzuwägen, ob die Weisheitszähne bei den ersten Anzeichen des Durchbruchs oder schon davor entfernt werden sollen. Sollte der Zahnfehlstand bereits bestehen, so ist der Kieferorthopäde der Spezialist, um korrigierend einzugreifen und den Schmerz dauerhaft zu beseitigen.
 

Bruxismus (Zähneknirschen): Das Zähnepressen und Zähneknirschen belastet nicht nur die Kiefergelenke, sondern auch direkt die Zahnoberflächen, die durch die hohe mechanische Kräfteeinwirkung abgeschliffen werden. Man spricht von Abrasion. Ist die obere Schutzschicht abgerieben, wird der Kaudruck direkt auf das Zahnbein oder die Wurzelhaut ausgeübt, was heftige Zahnschmerzen auslösen kann.

Behandlung

Eine Schienentherapie verhindert das weitere Abtragen der schützenden Zahnhartsubstanz bzw. die Über- und Fehlbelastungen des Kauapparates. Auch beugt eine Schiene Verspannungen der Kiefer- und Gesichtsmuskulatur vor. Denn diese Muskelverspannungen können Ursache für vielfältige weitere Schmerzen und Beschwerden sein, wie einseitige Kopf- und Gesichtsschmerzen, Tinnitus oder Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen.
 

Fremdkörper wie Zahnspangen oder Prothesen: Kieferorthopädische Spangen oder Voll- und Teil-Prothesen aus Metall oder Kunststoff können sich lockern und verschieben und schmerzhafte Druckstellen bilden. Hier ist eine Zusammenarbeit mit dem zahntechnischen Meisterlabor nötig, um den optimalen und schmerzfreien Sitz wiederherzustellen.
 

Zahnabszess: Wenn eine Entzündung der Zahnwurzel auf das umliegende Gewebe und den Kieferknochen übergeht, kann sich dort ein Abszess, d. h. eine Eiteransammlung, bilden. Dauerhafte starke Schmerzen mit ausgeprägter warmer bis heißer Schwellung sind typische Anzeichen für einen Zahnabszess. Bei der zahnärztlichen Behandlung wird der Abszess – und damit der Eiterherd – entfernt.
 

Undichte oder verloren gegangene Füllungen, Kronen und Provisorien: Wenn Zahnersatz oder Füllungen nicht mehr ordnungsgemäß abschließen, undicht geworden sind oder sogar herausfallen, dann liegt der abgeschliffene Zahn frei. Dieser ist empfindlich und kann beim Zähneputzen und Essen oder Trinken auf Wärme oder Kälte mit Zahnschmerzen reagieren.

Der Zahnarzt wird den Schaden beheben und Füllungen ersetzen bzw. den Zahn wieder schließen.

Symptome bei typischen CMD-Beschwerden: Soforthilfe durch DROS-Schienen Therapie.
Symptome bei typischen CMD-Beschwerden: Soforthilfe durch DROS-Schienen Therapie.
Bildquelle: ©GZFA

 

Welche Ursachen haben Zahnschmerzen, die NICHT von den Zähnen kommen?

Zahnschmerzen, die nicht direkt durch kranke oder defekte Zähne auftreten, werden als non-odontogene Zahnschmerzen bezeichnet. Es kann sich um brennende oder kribbelnde Schmerzen handeln, die von Zahn zu Zahn wandern oder an mehreren gesunden Zähnen gleichzeitig auftreten. Dauerschmerzen sind keine Seltenheit.

Wenn andere körperliche Symptome dazukommen und keine positive Reaktion auf Schmerzmedikamente und auf Zahnbehandlungen erfolgt, bedarf es zur Abklärung der Schmerzen der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den Experten für Zahnschmerz und anderen Fachrichtungen wie z. B. Hals-Hasen-Ohren-Arzt, Neurologe, Kieferorthopäde, Orthopäde, Kardiologe oder Psychologe.

Die häufigsten Ursachen für Zahnschmerzen, die nicht von den Zähnen kommen

Entzündungen der Nasennebenhöhlen: Dumpfe, stechende oder klopfende Schmerzen im Bereich der Backenzähne des Oberkiefers können mit einer Entzündung der Kieferhöhlen (Sinusitis) oder der Nasenschleimhäute (Rhinitis) bzw. einer vorangegangenen Entzündung der oberen Atemwege zusammenhängen. Typische Anzeichen sind Druckschmerz am unteren Augenrand, Klopfschmerz in der Kieferhöhe und die Verstärkung des Drucks, wenn man sich nach unten beugt.

Behandlung

Ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der zu abschwellenden Nasensprays, schleimlösenden Medikamenten und Inhalation mit ätherischen Ölen rät, ist empfehlenswert. Manchmal werden auch Antibiotika verschrieben.
 

Cranio-Mandibuläre Dysfunktion (Funktionsstörungen im Kauapparat): Verhärtungen in der Muskelstruktur, sogenannte Triggerpunkte, lösen einen dumpfen und stechenden Muskelschmerz aus, den man als myofaszialen Schmerz bezeichnet. Triggerpunkte können durch nächtliches Zähneknirschen – also durch eine Über- oder Fehlbelastung der Kaumuskulatur – verursacht werden. Der Schmerz wird meist durch Kauen, Kiefer- oder Kopfbewegungen verstärkt und strahlt nicht nur in den gesamten Oberkiefer aus, sondern kann zusätzlich Spannungsschmerzen im Kopf-, Kiefer- und Nackenbereich verursachen. Das allgemeine Wohlbefinden ist stark beeinträchtigt, das Tinnitus-Risiko ist erhöht. Man spricht hier von CMD-Symptomen.

Behandlung

Eine Okklusionsschiene kann die Beschwerden lindern, denn sie bewirkt eine Entspannung der Muskulatur, reduziert die schmerzauslösende Überbelastung durch nächtliches Zähnepressen, Zähneknirschen oder Reiben und verhindert gleichzeitig einen weiteren Abrieb (Abrasion) der Zahnhartsubstanz.
 

Trigeminusneuralgie: Kurze, elektrisierende und einseitige Schmerzattacken, die blitzartig bei leichter Berührung des Gesichts, beim Zähneputzen oder beim Essen verursacht werden, können auf eine Trigeminusneuralgie hinweisen. Zwischen den Attacken besteht meist vollkommene Schmerzfreiheit. Die klassische Trigeminusneuralgie wird im Gehirn ausgelöst, weil eine Gefäßschlinge auf die Nervenwurzel drückt und diese überreizt.

Zur Abklärung sind Untersuchungen beim Neurologen und Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit bildgebenden Verfahren ratsam. Eventuell werden spezielle Medikamente oder ein neurochirurgischer Eingriff notwendig.
 

Weitere Ursachen für non-odontogene Zahnschmerzen: Es gibt weitere vielfältige Ursachen - darunter sehr schwerwiegende - für Schmerzen im Mund und im Kiefer, die nicht direkt von den Zähnen kommen. Dazu zählen z. B. Gürtelrose (Herpes zoster), Zysten, Mittelohrentzündung, Migräne, Fehlfunktion der Speicheldrüsen, Tumore oder andere Erkrankungen im Kopf, Nervenfehlfunktionen aufgrund beschädigter Nerven, Herzerkrankungen wie Angina pectoris oder neurobiologische Veränderungen, die sogar Phantomschmerz auslösen können.

Hinzu kommt, dass unklare und dauerhafte Beschwerden bei Schmerzpatienten Unsicherheit auslösen, was zu seelischen Problemen bis hin zu Depressionen führen kann. Bei zunächst unerklärbaren Zahnschmerzen ist es aufgrund der Komplexität immer dringend ratsam, neben einem Experten für Zahnschmerzen, Haus- und Fachärzte wie Kieferorthopäde, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, Psychologe, Neurologe, Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Orthopäde, aufzusuchen, die in Absprache mit dem Patienten weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen einleiten können.

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