DROS®-Workshop: Zahnärztliche Schienentherapie interdisziplinär
Ein interdisziplinärer Ansatz bei der Behandlung von Kaufunktionsstörungen
Auch im 20. Jahr der Etablierung des DROS®-Konzepts fand in München wieder der zweitägige Workshop zur DROS®-Schienentherapie statt und erreichte hochinteressierte Zahnärzte und Zahnärztinnen im Team mit Zahntechnikern aus Deutschland und Österreich.
Diagnose – Relaxierung – Orientierung – Stabilisierung = DROS
Die Fortbildung ist angelegt für kleine Teams aus Zahnärzten und Zahntechnikern mit dem Ziel, Kaufunktionsstörungen aus zahnmedizinischer Sicht zu behandeln. Die DROS®-Oberkieferaufbissschiene dient dabei der Behandlung von Zähneknirschen, Bruxismus und CMD sowie für den Einsatz in der rekonstruktiven Zahnheilkunde. Im Rahmen eines mehrwöchigen Konzepts stehen Diagnose, Relaxierung, Orientierung und Stabilisierung im Zentrum der zahnärztlichen Behandlung.
Ziel der DROS®-Schienentherapie: Neuromuskuläre Entspannung mit Harmonisierung von Okklusion und Kondylenposition auf der Schiene.
Paradebeispiel für die interdisziplinäre Behandlung von Kaufunktionsstörungen
Ein Highlight: Die erstmalige Teilnahme eines Facharztes für Orthopädie aus Salzburg, Dr. Christian Behrendt, der aufgrund eigener Erfahrung sowie der seines Teams, von der Wirksamkeit des DROS®-Konzepts so sehr überzeugt ist, dass er ein Team aus Zahnärzten und Zahnärztinnen aus der Region zur Fortbildung mitbrachte. Wie er berichtet, sei die langjährige Migräne einer seiner Angestellten nach Abschluss der Schienentherapie völlig verschwunden. Und: Er habe sich viele Schienen und CMD-Therapien angesehen, jedoch nur die DROS®-Schienentherapie als schlüssiges und erfolgreiches Konzept nachvollziehen können.
Die Brücke von Zahnmedizin zur Orthopädie bildet auch die wissenschaftlich belegte Erkenntnis, dass eine Fehlbelastung durchKompression ein wesentlicher Risikofaktor für Funktionsstörungen und Schmerzen ist – nicht nur für die Kiefergelenke, sondern für alle Körpergelenke.
Damit war dieser DROS® Workshop wieder ein Paradebeispiel für die häufig geforderte Interdisziplinarität bei der Diagnose und Behandlung von Kaufunktionsstörungen – die wertvolle Zusammenarbeit von Zahnärzten mit Ärzten und Therapeuten anderer medizinischer Fachrichtungen.
Referent für den wissenschaftlichen theoretischen Teil
Den wissenschaftlichen Vortragspart übernahm wieder Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer (Greifswald) vor, der sich dieses Mal drei volle Stunden Zeit nahm, um den Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Ätiologie und Pathogenese von Kaufunktionsstörungen (CMD) sowie verschiedene Therapieansätze von der Schienentherapie bis zu Entspannungstechniken näher zu bringen.
Als Kursunterlagen für den theoretischen Teil des Workshops dienten seine wegweisenden Veröffentlichungen „Zahnärztliche Schienentherapie“ (Thieme, 2026) und „Der Kopfschmerz- ein interdisziplinäres Problem: Aspekte der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik und -therapie“ (Quintessenz, 2007)
Im Fokus seines Vortrags steht dabei die Betrachtung der Ursachen von Kaufunktionsstörungen aus zahnärztlicher Sichtweise: Okklusionsstörungen und/oder psychoemotionaler Stress.
Grundlage einer Kaufunktionsstörung ist dabei immer eine massive Verspannung der am Kausystem beteiligen Muskeln, was zu einer Inkoordination im neuromuskulären System führt und damit Beschwerdesymptome auslöst, wie etwa einseitigen Kopfschmerz, Migräne oder Tinnitus.
Anhand von Patientenfällen erläuterte Prof. Meyer die systematische Vorgehensweise zur Schmerzdiagnostik unter Einbeziehung zahnmedizinischer Parameter: Klinischer Kurzbefund der Kaufunktion, Palpation der Kaumuskulatur, Messung der Mundöffnung und Befundung der physiologischen Zentrik mittels Watterollentest.
Als zweiter wichtiger Parameter gilt die Erfassung von Stressfaktoren des Patienten, welche als Auslöser muskulärer Verspannungen gelten und CMD-Symptome hervorrufen können.
Im Fokus der Erstuntersuchung sollte daher auch immer die Frage an den betroffenen Patienten gerichtet werden: „Haben Sie beruflich und/oder privat Gründe, die Zähne zusammenzubeißen?“
Was erst einmal Verwunderung auslöst, kann der Schlüssel zur Ursache der Beschwerden sein. Denn, wie bereits beschrieben, kommen aus zahnärztlicher Sicht für CMD zwei Ursachen in Frage:
Okklusionsstörungen und Stress - jeweils für sich stehend oder zusammen auftretend.
Oftmals ist ein „falscher Biss“ auch jahrelang unauffällig, ohne Probleme zu bereiten, beim Hinzukommen eines Stressfaktors kommt es dann plötzlich zu Beschwerden. Stressauslöser sind vielfältig, besonders gravierend jedoch Todes- oder Krankheitsfälle im nahen Umfeld oder auch Scheidungen; aber auch Depressionen und Ängste sind Risikofaktoren für CMD.
Und was ist die „Uraufgabe“ des Zahnarztes? Natürlich die Okklusion!
Der „Okklusale Kompass“ (s. Abb.) zeigt, wie wichtig die von der Natur vorgegebenen Höcker und Fissuren der Zähne für ihre jeweilige Funktion sind und was passiert, wenn es durch Fehlbelastungen, Zähneknirschen und Bruxismus zu Zahnabrieb, Absplitterungen der Zahnsubstanz oder Zahn- und Kieferfehlstellungen oder in Folge der Muskelverspannungen zur Kompression der Kiefergelenke kommt.
Denn: Die Form natürlicher Zähne bedingt die okklusale Funktion:
Stimmen die natürlichen Zahnformen nicht mehr, können auch die natürlichen Funktionen nicht mehr erfüllt werden und es kommt zu einem Fehlbiss oder auch „falschen Biss“.
Was hilft nun bei Kaufunktionsstörungen? Schienentherapie und Entspannung
Schienentherapien stehen bei der Behandlung zunächst an erster Stelle, immer jedoch auch begleitet von Entspannungstechniken und der Aufklärung zur Selbstbeobachtung.
Eine wichtige Erkenntnis: „Schienentherapien gelten als Differentialdiagnose“. Das bedeutet: Wirkt die Schiene, war der Einsatz richtig. Wirkt die Schiene nicht, heißt das jedoch nicht, dass der Einsatz der Schiene ein Fehler war; dies ist vielmehr der Nachweis, dass die Ursache der Beschwerden nicht an den Zähnen liegt, sondern andere Ärzte und Therapeuten zur Klärung hinzugezogen werden müssen – wie etwa Orthopäden, HNO-Ärzte, Internisten oder Neurologen.
Patienten sollten also auch dahingehend aufgeklärt werden, dass der „Erfolg des Einsatzes einer Schienentherapie bei 50:50“ liegt.
Prof. Dr. Dr. Georg Meyers Credo lautet daher: „Alles, was die Muskulatur entspannt (und das neuromuskuläre System rekoordiniert) ist hilfreich und empfehlenswert.“
Referent für den praktischen Teil: Dr. Hinderk Ohling aus München
Der praktische Teil der Fortbildung wurde geleitet vom Münchner Zahnarzt und langjährigen DROS®-Anwender Dr. Hinderk Ohling, der den teilnehmenden Zahnärzten die Vorgehensweise des Therapiekonzepts demonstrierte, besonders die wichtige Registrierung des Unterkiefers mittels DROS®-Zentrikregistrat.
Die Kieferrelationsbestimmung (Bissnahme) ist die präzise dreidimensionale Zuordnung von Unter- zu Oberkiefer für die Herstellung von funktionsgerechtem Zahnersatz.
Bei der prothetischen Umsetzung nach erfolgreicher Schienentherapie, vertraut Dr. Ohling seit vielen Jahren auf die SAM®Präzisionstechnik für die Axiographie.
Bereits 2011 konnte Dr. Ohling in einer internen Studie mit der GZFA zu DROS® an 78 Patientenfällen nachhaltige Erfolge der DROS®-Schiene belegen: „Schon während der ersten Phase, der Relaxierung, zeigten sich bei den Symptomen zu 86 Prozent Verbesserungen. Zu 5 Prozent waren sie schon in diesem frühen Stadium komplett verschwunden. Noch vorteilhafter entwickelte sich das Verhältnis in der zweiten Phase, also während der Orientierung und Stabilisierung der Kiefergelenkposition. In diesem Stadium verspürten die Patienten zu 58 Prozent weitere Verbesserungen. Zu 34 Prozent treten die Symptome überhaupt nicht mehr auf.“
In der wesentlichen Veröffentlichung in der ZWL „Als Spurenleser auf der Suche nach der richtigen Funktion“ (ZWL 6-2022) erläutert Dr. Hinderk Ohling den gesamten Behandlungsablauf der DROS®-Therapie in Zahnarztpraxis und Dentallabor.
Wer stellt die DROS®-Schiene her?
Den zahntechnischen Part leitete der junge Zahntechniker Moritz Weiß mit seinen Kollegen von Weiß Dentaltechnikin München. Vermittelt wurde die standardisierte Herstellung der DROS®-Oberkieferaufbissschiene in zwei Phasen.
Kursunterlage waren die Ober- und Unterkieferabdrücke jedes Teilnehmers, für die bereits im Vorfeld die DROS® I-Schiene gefertigt wurde. Der Umbau der Schiene in die DROS®-II Phase erfolgte dann vor Ort am Beispiel eines teilnehmenden Zahnarztes. So konnte der gesamte Ablauf der Therapie schlüssig nachvollzogen werden.
Alles in allem zeigte auch dieser DROS®-Workshop wieder nachdrücklich, wie wichtig eine fundierte Ausbildung von Zahnärzten und Zahnärztinnen in zahnmedizinischer Funktionsdiagnostik- und Therapie nach wie vor ist sowie die Erkenntnis, wie gegenseitig befruchtend interdisziplinäre Kooperationen bei der Behandlung von Kaufunktionsstörungen sind – zumal bei einem „Volk im Dauerstress“.





