Was hilft bei einer Fehlbelastung von Zähnen und Kiefergelenken?
Dr. med. dent. Lisa Blunck und Dr. med. dent. Maya Blunck über die Behandlung von Kaufunktionsstörungen
EXPERTINNEN-INTERVIEW
Dr. Lisa und Dr. Maya Blunck, Zahnärztinnen und DROS-Therapeutinnenin der „CMD-Zahnarztpraxis Hannover“ erklären uns, wie ein falscher Biss und Stress unsere Gesundheit gefährden können.
Worauf beruhen Ihre Erfahrungswerte?
Dr. med. dent. Maya Blunck: Als Zahnärztinnen haben wir uns auf die zahnärztliche Funktionsdiagnostik und die Behandlung von Kaufunktionsstörungen (CMD) spezialisiert.
Denn wir sehen in unserer Praxis immer mehr Patienten mit Kopf-, Gesichts- oder Kieferschmerzen, bei denen wir feststellen, dass der Biss nicht stimmt: Die Zahnreihen greifen nicht harmonisch ineinander, die Zähne sind oft abgeschliffen und verkürzt, Kaumuskulatur und Kiefergelenke sind fehlbelastet.
Was passiert bei einer Fehlbelastung im Kausystem?
Dr. med. dent. Lisa Blunck: Der Kauapparat besteht aus einem komplexen Zusammenspiel der Zähne von Ober -und Unterkiefer, der beiden Kiefergelenke und der Kaumuskulatur.
Im Idealfall sind die Abläufe beim Beißen, Kauen und Sprechen harmonisch und störungsfrei. Sind sie jedoch durch Fehlbelastungen gestört, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
Betroffene leiden dann etwa unter Kopfschmerzen, Kiefergelenkknacken und Muskelverspannungen oder Tinnitus.
Bei Muskelverspannungen oder Tinnitus denkt man zunächst ja nicht an die Zähne. Was genau steckt dahinter?
Dr. med. dent. Maya Blunck: Aus zahnärztlicher Sicht sind zwei Risikofaktoren verantwortlich: Einerseits ein „falscher Biss“, das bedeutet fehlerhafte Zahnkontakte, sog. Frühkontakte.
Diese können z.B. entstehen, wenn Zahnfüllungen oder Kronen, vor allem an den hinteren Backenzähnen, schlecht sitzen und zu hoch sind oder wenn Zahnlücken nicht geschlossen werden.
Andererseits der Faktor Stress. Denn beides, also Fehlkontakte und Stress führen zu massiven Muskelverspannungen an Kopf, Kiefer und Gesicht. Bei einem falschen Biss versucht die Muskulatur zunächst, sich an die falschen Zahnkontakte anzupassen oder diese auszugleichen, indem sie verspannt.
Bei Stress wird emotionale Spannung über den Kauapparat abreagiert. Man spricht ja häufig auch von „mit den Zähnen knirschen“ oder „sei nicht so verbissen.“
Die Verspannungen können sich aber auch fortsetzen auf Nacken, Schulter und Rücken. Nächtliches Zähneknirschen unter Hochspannung führt außerdem zu schweren Schäden an der Zahnsubstanz, der muskuläre Druck kann die Kiefergelenke schädigen.
Woran kann ich erkennen, ob ich selbst betroffen bin?
Dr. med. dent. Lisa Blunck: Nicht jeder Mensch, der knirscht oder gestresst ist, hat auch tatsächlich Beschwerden. Erst wenn das Kausystem die Fehlbelastung nicht mehr ausgleichen kann, kommt es zu Schmerzen und Betroffene suchen dann ärztliche Hilfe.
Anzeichen dafür können sein: Die Zähne sind abgeschliffen und verkürzt, die Spitzen der Eckzähne fehlen, Füllungen und Kronen brechen, Risse entstehen im Schmelz, das Zahnfleisch bildet sich zurück. Oder Symptome wie Verspannungen im Gesicht, an Nacken und Schultern, einseitige Kopf- oder Gesichtsschmerzen, Migräne oder eben auch Tinnitus.
Wie behandeln Sie in Ihrer Praxis diese Kaufunktionsstörungen?
Dr. med. dent. Maya Blunck: Bei der Behandlung von Funktionsstörungen bauen wir auf das standardisierte DROS®-Schienentherapie-Konzept. DROS steht für Diagnose, Relaxierung, Orientierung und Stabilisierung.
Eine Funktionsanalyse zeigt mir zunächst, ob und in welchem Maß der Biss gestört ist. Die anschließende Schienenbehandlung führt in zwei Phasen zur Entspannung der Kaumuskulatur und zur Orientierung der Kiefergelenke in ihre neuromuskulär harmonische Position mit Stabilisierung der Bisslage auf der Schiene.
Die ca. sieben-wöchige Schienentherapie erlaubt demnach Diagnose und Behandlung. Oft gelingt es bereits in der ersten Behandlungsphase, die Beschwerden zu lindern.
FAZIT von Dr. Lisa und Dr. Maya Blunck:
Wenn Sie morgens schon mit Schmerzen am Kiefer und Verspannungen im Nacken aufwachen, mit den Zähnen knirschen oder Ihre Zähne abgeschliffen und verkürzt sind oder sogar Kronen brechen, sollten Sie auch an eine Fehlbelastung der Zähne denken.
Dann hilft eine Funktionsanalyse beim zahnärztlichen Spezialisten und eine diagnostische Schienentherapie.
Um die vielfältigen Symptome umfassend abzuklären, arbeiten wir auch interdisziplinär mit anderen Fachärzten und Therapeuten zusammen. Gerade beim Thema Stress sehen wir hier eine wichtige Ergänzung.
