Knochenaufbau: Vorbereitung für das Zahnimplantat

Was ist ein Knochenaufbau beim Zahnimplantat?

Ein Knochenaufbau ist eine chirurgische Maßnahme, die von spezialisierten Zahnärzten oder Implantologen vorgenommen wird, wenn das Volumen des Kieferknochens nicht ausreicht, um ein Zahnimplantat stabil darin verankern zu können. Man spricht auch von einem Kieferaufbau im zahnlosen Ober- oder Unterkiefer.

Das Volumen des Kieferknochens und die Knochendichte sind entscheidend, ob Zahnimplantate eingesetzt werden können. Je mehr Kieferknochen vorhanden ist und je dichter dieser ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für die Implantation. Ein Implantat sollte mindestens von einem Millimeter – besser zwei Millimetern – Knochensubstanz umgeben sein, um fest einheilen zu können.

Das Volumen und die Dichte des Kieferknochens werden vom Zahnarzt bei der Voruntersuchung genau bestimmt. Mit modernster Röntgentechnik bzw. digitaler Volumentomografie (DVT) wird der anatomische Status des Mundraums genau dokumentiert. Dabei werden Kiefer, Knochendichte, Verlauf der Wurzeln, Blutgefäße und Weichgewebe genau vermessen. Die gewonnenen digitalen Datensätze liefern die besten Voraussetzungen für die optimale 3D-Implantatplanung und die perfekte Zusammenarbeit mit dem Dentallabor.

Knochenaufbau: Vorbereitung für das Zahnimplantat.
Knochenaufbau: Vorbereitung für das Zahnimplantat.
Bildquelle: ©Nobel Biocare Services AG

 

Wann ist ein Knochenaufbau nötig?

Immer wenn Zähne verloren gehen, sei es durch eine Erkrankung oder durch einen Unfall, fehlt die normale mechanische Belastung des Kieferknochens. Wird die Zahnlücke dann nicht zeitnah versorgt, bilden sich Knochen und Zahnfleisch zurück. Der Kieferknochen kann von Erkrankungen betroffen sein, die einen Kieferdefekt oder Knochenschwund verursacht haben, so dass der Kieferkamm für ein Implantat zu schmal oder zu niedrig ist und einen Knochenaufbau erforderlich machen.
Der Vorteil von Zahnimplantaten: Sie bewirken eine physiologische mechanische Beanspruchung des Kieferknochens, erhalten den Knochen in gleicher Weise wie die eigenen Zähne und verhindern so einen weiteren Abbau des Kieferknochens.

 

Die häufigsten Ursachen für Knochenabbau:

Parodontitis

Bakterieller Zahnbelag, auch Plaque genannt, bedroht die Zähne und den Zahnhalteapparat. Das Zahnfleisch entzündet sich und geht zurück, die Wurzelhaut und das Zahnbett werden zerstört. Parodontitis ist eine häufige Ursache für Zahnverlust und nachfolgendem Kieferknochenabbau.

Wurzelspitzenresektion

Wenn Bakterien bis in die Zahnwurzel eingedrungen sind, kann es zu einer Entzündung der Wurzelspitze oder zu einer Zystenbildung kommen, was den Kieferknochen massiv angreift. Die Wurzelspitzenresektion ist die letztmögliche Maßnahme, den eigenen Zahn zu erhalten und um gleichzeitig den Bakterienherd auszuschalten. Geht der Zahn dennoch verloren und soll er durch ein Implantat ersetzt werden, wird oftmals zuvor ein Knochenaufbau nötig.

Verloren gegangene Backenzähne

Durch den Verlust der seitlichen Backenzähne im Oberkiefer schwindet der Knochen, weil der Belastungsreiz fehlt. Oft wird der Kieferkamm so dünn, dass das Volumen für das Einsetzen eines Implantats nicht mehr ausreicht. Um hier eine ausreichende Stabilität zu erreichen, nimmt der Zahnarzt einen Knochenaufbau im Oberkiefer vor, den sogen. Sinuslift. Mit dieser Technik wird der Boden der Kieferhöhle angehoben, der entstehende Raum kann nun mit Knochenmaterial aufgefüllt werden.
 

Welches Material wird für den Knochenaufbau verwendet?

Um den Kieferknochen aufzubauen, kann der Zahnarzt bei kleineren benötigten Mengen Knochenspenden aus den benachbarten Kieferregionen (Ober- und Unterkieferkamm oder Kinn) verwenden. Diese Maßnahme erfolgt meist ambulant mit örtlicher Betäubung. Bei größeren Knochendefekten wie z. B. nach einer Krebsoperation benötigt man mehr Knochenmaterial und kann die Knochenspende hierfür aus dem Hüftknochen entnehmen. Dies ist jedoch ein größerer Eingriff, der meist im Krankenhaus unter Vollnarkose gemacht wird. Nur speziell ausgebildete Kieferchirurgen können diese Operation durchführen. 

Zahnärzte bzw. Implantologen verwenden für den Knochenaufbau mittlerweile meist Knochenersatzmaterial, da hierbei die Knochenentnahme aus einer anderen Körperregion entfällt. Die Medizintechnik hat inzwischen eine Vielzahl von Materialien entwickelt, die der Zusammensetzung der menschlichen Knochen sehr ähnlich sind. Sie werden u.a. aus Tierknochen, Algen und Korallen hergestellt oder haben eine synthetische Zusammensetzung. Um Knochenersatzmaterial zu verwenden, muss natürliche Knochensubstanz vorhanden sein, von dem die Neubildung ausgehen kann und die Stabilität für Implantate sichert. 

Nach jeder Knochentransplantation wird der betroffene Bereich vollständig mit Schleimhaut bedeckt, damit der eingesetzte Knochen einheilen kann. Die Einheilzeit ist abhängig vom Spendermaterial und der Position. Um nach der Einheilung die künstliche Zahnwurzel zu verankern, muss die Schleimhaut über dem Kieferkamm nochmals geöffnet werden. Je nach individuellem Behandlungsplan werden Knochentransplantationen gleichzeitig mit dem Einsetzen des Implantats in einer einzigen Sitzung durchgeführt.
 

Weitere Methode beim Knochenaufbau

Außer der Knochenspende bzw. -verpflanzung gibt es noch die sogenannten Membrantechniken beim Knochenaufbau bzw. zur Regenerierung des Gewebes (guided tissue regeneration). Stellt der Zahnarzt beim Implantieren fest, dass der Bereich der Implantatschraube nicht vollständig von Knochen umgeben ist, so kann er diesen Teil mit einer speziellen Membran abdecken. Sie umfasst das Implantat wie eine Halskrause und dient als Barriere, um das unerwünschte Ein- und Tieferwachsen von Entzündungsgewebe zu verhindern. Der sich langsam neu bildende Knochen kann sich auf die bisher unbedeckten Bereiche anlagern. Moderne Membran-Materialien lösen sich im Laufe der Zeit selbst auf. 

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