Prothetik in der Zahnbehandlung: Versorgung mit Zahnersatz

Die zahnärztliche Prothetik, man spricht auch von Zahnersatzkunde, ist ein Teilgebiet der Zahnheilkunde. Jede prothetische Behandlung beim Zahnarzt hat das Ziel, die Funktion geschädigter oder verloren gegangener Zähne wiederherzustellen und dabei ein ästhetisch schönes Erscheinungsbild abzugeben.

Gründe für Schädigungen oder Zahnverlust gibt es viele: Bakterielle Erkrankungen wie Parodontitis oder Karies können Ursachen sein, aber auch Kaufunktionsstörungen, Bruxismus (Zähneknirschen und Zähnepressen), Abrasion, Zahnfrakturen durch Unfälle und Nichtveranlagung von Zähnen können eine zahnärztliche Behandlung mit Prothetik notwendig machen.

Prothetik in der Zahnbehandlung: Versorgung mit Zahnersatz auf 6 Implantaten im Oberkiefer.
Prothetik in der Zahnbehandlung: Versorgung mit Zahnersatz auf 6 Implantaten im Oberkiefer.
Bildquelle: ©Nobel Biocare Services AG
 

Dank modernster Diagnose-Techniken und möglichst minimalinvasiven Eingriffen erfolgt eine prothetische Zahnbehandlung sehr schonend und kann in jedem Lebensalter durchgeführt werden. So ermöglicht es z. B. die innovative 3D-Implantologie, die Positionen der Implantate inklusive Bohrtiefe und Bohrwinkel vorauszuberechnen und in der Operation optimal umzusetzen. Sogenanntes Backward-Planning erhöht die Sicherheit und Qualität der prothetischen Behandlung.
 

Welche prothetischen Behandlungen gibt es?

In der Zahnmedizin unterscheidet man den festsitzenden Zahnersatz und den herausnehmbaren Zahnersatz. Außerdem gibt es noch die kombiniert festsitzend-herausnehmbare Form wie z. B. Teleskopprothesen, Versorgungslösungen mit Ankern, Geschieben und Stegen sowie die VARIO-Teleskopkrone®. Von Implantat-Prothetik spricht man, wenn Prothesen an Zahnimplantaten (künstlichen Zahnwurzeln) verankert werden.

Behandlung mit herausnehmbarer Prothetik

Hierzu zählen Voll- oder Teilprothesen, auch „dritte Zähne“ genannt, die jederzeit herausgenommen werden können. Für komplett zahnlose Oberkiefer wird eine Vollprothese normalerweise mit einer zahnfleischfarbenen Gaumenplatte aus Kunststoff hergestellt, die im Unterkiefer jedoch aufgrund des Platzmangels fehlt. Im Unterkiefer ist die Zahnprothese hufeisenförmig und hat eine geringe Auflagefläche. Sie neigt deshalb zum Verrutschen, auch weil Zunge und Wangen ständig in Bewegung sind.

Vielen Patienten genügt diese Grundversorgung mit herausnehmbarem Zahnersatz jedoch nicht, zumal die Prothesen häufig nicht richtig sitzen, wackeln und Druckstellen oder Entzündungen bilden. Oft sind sie darüber hinaus ästhetisch wenig ansprechend und schränken die Lebensqualität ein. Durch Knochenabbau im Kiefer können sich die Gesichtszüge verändern und „einfallen“, denn der Kiefer wird nicht auf natürliche Weise belastet und nimmt an Volumen ab. Das Tragen von Voll- und Teilprothesen kann auch Auswirkungen auf die Aussprache haben und Geschmacksbeeinträchtigungen durch das Verwenden von Haftcremes mit sich bringen. Die prothetische Behandlung mit herausnehmbarem Zahnersatz bietet jedoch– verglichen mit z. B. Implantat-Prothetik – eine kostengünstigere Versorgung.
 

Behandlung mit festsitzender Prothetik

Unter festsitzendem Zahnersatz versteht man Inlays, Onlays, Teilkronen, Vollkronen, Veneers, Brücken und Zahnimplantate (künstliche Zahnwurzeln) aus Titan oder Keramik sowie die Versorgung mit Implantatkonzepten wie z. B. All-on-4®  oder All-on-6 / All-on-8.

All-on-4® - Implantatkonzept: Behandlung mit festsitzender Prothetik bei zahnlosen Patienten.
All-on-4® - Implantatkonzept: Behandlung mit festsitzender Prothetik bei zahnlosen Patienten.
Bildquelle: ©Nobel Biocare Services AG
 

Festsitzender Zahnersatz ist hochwertig und stellt die uneingeschränkte Funktion des Zahns sicher. Biokompatible Materialien (d. h. ohne Metall oder Metalllegierungen) wie Vollkeramik und Zirkon sind auch für Allergiker bestens geeignet und sind ästhetisch sehr ansprechend, da sie von einem natürlichen Zahn fast nicht zu unterscheiden sind. Als langlebiger Werkstoff wird Gold im nicht sichtbaren Seitenzahnbereich z. B. für Gold-Inlays, Gold-Onlays oder Goldkronen zur Zahnbehandlung verwendet.
 

Was ist VOR der prothetischen Behandlung von Zähnen zu beachten?

Wenn Zähne nicht korrekt und harmonisch ineinandergreifen, kann dies auch die natürliche Position der Kiefergelenke beeinträchtigen. Man spricht von einer gestörten Okklusion oder einem falschen Biss. Hierfür gibt es viele Gründe, u.a. Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen und Zähnepressen), wenn Zähne dadurch um mehrere Millimeter abgeschliffen werden. Hierbei geht das „vertikale Kaumuster“ verloren und der Körper versucht, diese Funktionsstörung auszugleichen, wobei es zu starken Verspannungen im Kopfbereich und in der Kaumuskulatur kommt. Man spricht dann von einer Kauffunktionsstörung, Myoarthropathie oder CMD. Als Folge können Symptome einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) auftreten. Dazu zählen u. a. Kiefer- und Kiefergelenkschmerzen, Nacken- und Schulterverspannungen, Kopfschmerzen und Migräne sowie Rückenschmerzen, Schluckbeschwerden, Tinnitus, Schwindel und Schlafstörungen.

Was ist VOR der prothetischen Behandlung von Zähnen zu beachten?
Was ist VOR der prothetischen Behandlung von Zähnen zu beachten?
Bildquelle: ©GZFA
 

Bevor prothetische Behandlungen vor dem Aufbau verloren gegangener Zahnsubstanz, erfolgen, um Funktion und die Ästhetik wiederherzustellen, sollte eine zahnärztliche Funktionsdiagnostik durchgeführt werden. Hierbei werden die Zähne und die Kiefergelenke mit einer klinischen, manuellen und instrumentellen Funktionsanalyse (FAL) untersucht. Sofern Kaufunktionsstörungen vorliegen, kann eine DROS®-Schienentherapie eingeleitet werden. Diese Behandlung durch spezialisierte CMD-Zahnärzte entspannt die Kaumuskulatur und erreicht die physiologische Position der Kiefergelenke. Erst bei harmonischer Okklusion und stabiler Bisslage ist die prothetische Versorgung langfristig sinnvoll und erfolgreich. Bei gestörter Okklusion wäre zu befürchten, dass neuer Zahnersatz (wie Kronen oder Brücken) durch die anhaltende Fehlbelastung schnell wieder Schaden nehmen und brechen.
 

Welche prothetischen Behandlungen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse?

Bei der Kostenerstattung durch Krankenversicherungen gibt es große Unterschiede. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für prothetische Behandlungen je nach individuell abgeschlossenem Tarif, der meist mindestens 50% -70%/ bis zu 90%? des Eigenanteils abdeckt.

Die gesetzlichen Krankenkassen dagegen übernehmen nur einen Festzuschuss für Prothetik-Behandlungen. Alle darüberhinausgehenden Leistungen müssen Patienten selbst begleichen. Und obwohl funktionelle Störungen im Kausystem in der Bevölkerung weit verbreitet sind und oft hohe Folgekosten entstehen für die erneute Anfertigung von Prothetik aufgrund von Fehlbelastungen, bezahlen die Krankenkassen die Funktionsanalyse beim Zahnarzt nicht. Würde jedoch die Zahnbehandlung mit Zahnersatz nach funktionellen Behandlungsparametern erfolgen, wären Patienten qualitativ weitaus besser versorgt und die Krankenkassen würden zudem langfristig noch Geld sparen.

DROS®-Schienentherapie vor einer prothetischen Zahnbehandlungen.
DROS®-Schienentherapie vor einer prothetischen Zahnbehandlungen.
Bildquelle: ©GZFA
 

Auch die Behandlung mit der DROS®-Schiene ist eine Privatleistung, die jedoch von zahlreichen Zahnzusatzversicherungen für CMD anerkannt und bezahlt wird.

Die anfallenden Zahnersatz-Kosten sowie Zahnimplantat-Kosten für Diagnostik und Zahnarzthonorar werden im Heil- und Kostenplan dargestellt und dem Patienten erläutert. Aus dem Kostenvoranschlag des Dentallabors wird ersichtlich, welche Kosten für die Anfertigung der Prothetik zu tragen sind. Hierbei kommt es darauf an, wie hochwertig die Versorgungslösung ist und welche Materialien (z. B. Vollkeramik, Zirkon, Gold) verwendet werden.
 

Wer führt prothetische Zahnbehandlungen durch?

Spezialisten für Zahnersatz sind Zahnärzte und Zahnärztinnen mit Prothetik-Praxis, Experten für Implantat-Prothetik sind zertifizierte Implantologen in Ihrer Nähe, die bei Bedarf mit auf CMD spezialisierten Zahnärzten zusammenarbeiten.

Zeit für Ihre individuellen Fragen rund um die Prothetik nimmt sich auch der Zahnersatzberater in München.

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